Dieses Jahr habe ich mir zum Ostersonntag vorgenommen irgendwo hin zufahren, wo ich lange nicht mehr oder noch gar nicht war. Meine Wahl viel auf die Schrammsteine.

Ob ich dort schon mal gewesen bin, kann ich gerade nicht beantworten. Mein Papa würde jetzt sagen: „Na klar, weiß du nicht mehr als…“. Aber anscheinend ist mein Langzeitgedächtnis nicht das Beste und so muss ich da leider ein Fragezeichen stehen lassen.

Da ich in der Nacht zuvor noch mit einem Kundenprojekt zu kämpfen hatte, war ich am nächsten Tag nicht all zu zeitig auf den Beinen. Und mit dem Hintergedanken, dass an diesem Tag wohl sehr viel los sein würde, dachte ich erst einmal 10 Minuten darüber nach, ob ich überhaupt los sollte.

Neues Ziel: Sonnenuntergang von der Schrammsteinaussicht fotografieren

Dieses kurze Motivationsloch verzog sich aber ganz schnell wieder als ich beim „Frühstückskaffee“, um 12 Uhr mittags, ein paar Fotos von Sonnenuntergängen an den Schrammsteinen überflog. Was soll ich sagen. Die Aussicht auf tolle Bilder motiviert mich nun mal mehr als die Aussicht auf ein überfülltes Wandergebiet.

Kaum eine Stunde später saß ich im Auto und fuhr Richtung Bad Schandau. Eigentlich hatte ich vor meinen Ausflug vom Zahngrund zu starten, aber da war wie zu erwarten alles voll. Also fuhr ich den Zahngrund weiter hinauf, vorbei an den Falkenstein Hütten in Richtung Ostrau. Auf dem Parkplatz an der Falkensteinstraße hatte ich dann Glück und fand einen Parkplatz.

Es gibt Sie noch – Nette Menschen

Also Auto abgestellt, Schuhe gewechselt und … oh … das Parkticket fehlt noch. Aber ein Blick in meine Geldbörse offenbarte mir zum wiederholten Mal, dass ich manchmal nicht alle Gedanken beisammen habe. Kein Kleingeld dabei. Na klasse, dachte ich mir. Aber anstatt mir selbst diverse Schimpfwörter an den Kopf zu schmeißen, beschloss ich erstmal zu schauen, ob der Automat auch Scheine oder eine EC-Karte annimmt.

Aber soweit kam es gar nicht. Auf halbem Weg zum Parkautomaten rief eine nette Stimme: „Tschuldigen sie!? Brauchen sie noch ein Ticket?“ Ich schaute mich um und eine ältere Dame kam auf mich zu und wedelte mit einem Parkticket. Ich war etwas überrascht und schaute sie verdutzt an als sie meinte: „Das kostet hier 5 Euro pro Tag. Wir waren nicht so lange unterwegs. Wir können uns ja reinteilen.“ Ich musste ihr dann kurz erklären, dass ich nur einen 5 Euro-Schein habe, den ich ihr auch gegeben hätte, aber sie sagte: „Ach lassen sie. Ich geb ihnen den so.“ Ich bedankte mich, klemmte das Ticket hinter die Windschutzscheibe, schwang meinen Rucksack auf den Rücken und ging los.

Das Stadtkind im Wald

Wieder vorbei an den Falkenstein-Hütten führte mich mein Weg zur ersten Weggabelung. Eigentlich wollte ich ja nur zur Schrammsteinaussicht. Aber es war noch so viel Zeit bis zum Sonnenuntergang, dass ich mich für den Weg in Richtung „Hohe Liebe“ entschied. Der Name war mir allerdings nur bekannt aus meinen Recherchen zu Rundwanderungen in der Sächsischen Schweiz. Aber natürlich hatte ich mir die Strecken nicht irgendwo gespeichert oder geschweigedenn auf einer Karte markiert. Auf welcher Karte auch … Ich hatte ja gar keine dabei. Typisch Stadtkind: „Google Maps wird schon ausreichen!“ Nur doof, dass die Netzabdeckung für mobiles Internet keine Rücksicht nimmt auf unvorbereitete Städter. Ein nicht endendes „Satellit wird gesucht…“ ist auch ein sehr wünschenswerter Umstand … nicht.

Das Schöne am unvorbereitet sein ist definitiv, dass man die Umgebung besser kennen lernt und auf Dinge achtet, die man sonst eventuell nicht wahrgenommen hätte.

Und so lief ich auch dieses mal einige Wege hin und her. Bis ich irgendwann auf der Hohen Liebe angekommen war.

Von der Hohen Liebe zur Schrammsteinaussicht

Nachdem ich den wunderbaren Ausblick und die ruhige Atmosphäre auf der Hohen Liebe genossen hatte. Wanderte ich auf der anderen Seite wieder hinab ins Tal bis zur Wildwiese und folgte den Schildern zum Aufstieg zur Schrammsteinaussicht.  Mein Verdacht, dass hier mehr los sein würde als auf der Hohen Liebe oder dem Weg dorthin, bestätigte sich hier. Ich hatte schon beim Aufstieg zur Hohen Liebe einige Stimmen im Tal gehört. Nun ja, es war eben Ostersonntag. Das spiegelte sich aber leider auch auf den Wegen und am Wegesrand wieder. Überall glitzerte Silberfolie von Schoko-Ostereiern und anderes Verpackungsmaterial. Das war eher unschön.

Ein paar Metern Weg, Holzstufen und Metallstiegen kam ich oben an. Es war noch immer genügend Zeit bis Sonnenuntergang, also erst einmal einen kräftigen Schluck aus der Wasserpulle genommen und ein bisschen Proviant „vernichtet“. Der Rucksack darf ja auf dem Rückweg gern etwas leichter sein, nicht wahr!?

Nach den restlichen Metern zum Aussichtspunkt empfing mich standesgemäß ein Panorama, das seinesgleichen sucht. Ich genoss den Ausblick einige Momente bevor ich die Kamera aus dem Rucksack holte und die ersten Fotos schoss. Die Sonne Stand noch verhältnismäßig hoch am Himmel, was nicht die besten Voraussetzungen sind. Doch ich hatte noch die Bilder vom Sonnenuntergang im Kopf, die ich unbedingt machen wollte. Und dann waren da noch ein paar Kletterer auf den vorderen Schrammsteinen, die mir dennoch ein lohnenswertes Motiv für ein paar Schnappschüsse lieferten.

Sonnenuntergang? Fehlanzeige…

Je später es wurde umso mehr fieberte ich dem Sonnenuntergang entgegen. Aber wie es eben manchmal so passiert, entwickelte sich das Wetter nicht so, wie es der Wetterbericht versprochen hatte. Je näher die Sonne dem Horizont kam, desto mehr Wind kam auf und umso schneller purzelten die Temperaturen. Bis dahin eigentlich nicht weiter schlimm. Wenn da nicht noch diese Wolkenfront auf mich zugekommen wäre, die sich immer weiter zwischen mich und mein Wunschmotiv drängte. Und auch am Horizont wurde es immer drüber. Manchmal kann das für eine ganz besonderen Lichtstimmung sorgen, aber nicht an diesem Tag. Leider.

Und so trat ich auch, eher als geplant und etwas enttäuscht, den Rückweg an. Hinab über den Zeughausweg, wieder vorbei an der Wildwiese und über Wenzelweg und Liebenweg vorbei an den Falkenstein Hütten zurück zum Parkplatz.

Ich konnte an diesem Tag mein Wunschmotiv nicht umsetzen und dennoch war es ein schöner Ausflug. Und ein paar schicke Fotos sind dennoch herausgekommen. Und natürlich obiges Video über den Trip.